Ardey Chronik

-Die Zeit vergeht und wir vergehen mit der Zeit!-

Vorwort
Die in den letzten Jahren begonnene Aufzeichnung der Ortsgeschichte der Gemeinde Ardey soll ein Heimatbuch und ein Gedenkbuch sein. Es soll versucht werden, alles das festzuhalten, was in charakteristischer Weise von heimatlicher Erde und heimischer Art erzählt. Zu den einzelnen Darstellungen soll die Liebe am Boden und Volkstum der engsten Heimat besonders betont werden, weil nur in ihr die Liebe zum großen Vaterlande wächst und starke Wurzeln schlägt.
Die vorliegende Ortsgeschichte ist kein Lehrbuch des reinen Wissens aber auch kein Buch des bloßen Aufzählens von Gewesenem und Geschehenem. Der spätere Leser soll beim Lesen der Darstellungen und Schilderungen erkennen und erfahren, wie es in unserer dörflichen Heimat einmal ausgesehen hat und wie die vergangenen Generationen gelebt, gewohnt und gearbeitet haben.
Möge dieses Buch dem rastlos vorwärtsstrebenden, modernen Menschen ein Gedenkbuch sein, dem er sich in stillen Stunden zuwendet, um aus der Fülle heimatlicher Gemütswerte und aus den Lebensgewohnheiten längst vergangener Generationen neue Kräfte zu schöpfen für den ständig in gleichen Bahnen verlaufenden Alltag.

Ardey, im April 1948

Hohmann, Lehrer

Die geschichtliche Vergangenheit des Dorfes Ardey

Es ist wohl anzunehmen, daß die Anfänge der Besiedlung unserer Heimat mit der geschichtlichen Vergangenheit der Burg Ardey in Verbindung zu bringen sind. Da die Burg Ardey ehemals als sächsische Gaufeste gegen die Franken erbaut wurde, können wir mit Sicherheit aussprechen, daß schon zur Zeit Karls des Großen in der heutigen Gemarkung Ardey Bewohner gesiedelt und gelebt haben. Zu kriegerischen Zeiten fanden die Bewohner der Nachbarschaft auf einer solchen Gau- oder Schutz- und Trutzburg mit ihrem Hab und Gut sichere Unterkunft. Über die Herkunft des Dorfnamens „Ardey“ gehen die Meinungen der Geschichtsforscher auseinander. Es gibt 3 verschiedene Auffassungen der Ableitungen:
1) Aus dem Lateinischen: Vor Zeiten ist in d[er] Ardeyer Gegend ein Geschlecht von Morges eingewandert. Als dann römischer Einfluss ins Land kam, sind die deutschen Namen vielfach durch lateinische Kennzeichnungen verdrängt [worden]. Aus dem Namen von Morges wurde „Ortu Diei“ = „des Tages Anfang“. Daraus dann später: Ortudieja, Ardieia, Ordiei, Ardiei und endlich Ardey. Balthasar Konrad Zahn, ein berühmter Rechtsgelehrter aus Unna und der Grafschaft Märkischen Ritterschaft Syndikus, hat von dem Geschlecht der Edlen Herren von Ardey eine geschriebene Nachricht hinterlassen, in der er diese Namensdeutung anführt.
2) Ursprung, Namen und Wappen der Ardeyer Herren kommen aus dem Sächsischen: Dies ist die Auffassung des Historikers und Pfarrers Johann Dietrich von Steinen aus Frömern. Schon zu der D. Zeit, als die beiden Ewalde das Christentum in unserer Gegend verkündeten, im 4. Jahrhundert v. Chr., soll hier ein „uralt und nobel Geschlecht der Herren, so hernach zu Grafen gemacht von Aren oder Ardea“ gelebt haben.
3) Der Name Ardei, Ardeia, Ardieia, oder wie er sonst lautete, ist sprachlich gleichbedeutend mit Haar. Der Name bezeichnet zwei Bergvorsprünge zu Seiten des Ostholzer Baches ( Prof.Dr. Nordhoff). Dr. Nordhoff schließt seine Betrachtungen über die älteste geschichtliche Vergangenheit unserer engsten Heimat: „ Ich vermute, daß die beiden Burgstätten Scheda und Ardey, die wir später als Ritterburgen wiedertreffen, in ihren Wallgraben oder Gräben noch aus der Sachsenzeit herrühren. Sie könnten dann nicht wie Eresburg und Siegburg den großen Volksburgen, worin ein Volksheer mit Weib und Kind, Vieh und habe flüchtete, sondern nur den Gaufesten, die den Umwohnern zur Zeit der Gefahr einen Rückhalt boten, beigezählt werden.“
Ardey, heute ein Dorf von etwa 600 Einwohnern, liegt somit in einer geschichtlich interessanten Gegend. Auf dem südlichen Abhange des Haarstranges, etwa 7 ½ km südöstlich [von] Unna gelegen, verdankt es seinen Namen und seine Entstehung einer alten Ritterburg, deren große Blütezeit im 12. bis 14. Jahrhundert war. Als Stammburg der Edelherren der späteren Herrschaft Ardey wird die Burg Scheda.
Ob sich die Herrlichkeit Ardey auch an de[m] Kirchenbau in Dellwig mitgeholfen hat, ist unbekannt. In d[er] Zeitgeschichte werden die Ardeyer Herren als reichbegüterte Grafen gerühmt, auch als Schirmvögte von Klöster[n] und Kirchen und als Stuhlherren des Ardeyer Gerichtes genannt.-
In eine[r] Urkunde aus dem Jahre 1270 heißt es: Der Edelherr Hermann von Ardey verkauft ein Hof in Ardey an das Kloster Frröndenberg.  So lauten meist alle Urkunden über Schenkungen der Ardeyer Herren an Kloster und Stift Fröndenberg. Von Steinen schreibt in seiner Geschichte: ich habe mal eine lateinische Urkunde gelesen, in der es hieß, der Graf von Ardey sei der Erbauer der Kirche in Fröndenberg gewesen.
So ist ein Jahrhundert dem anderen gefolgt bis um das Jahr 1550, wo die Reformation durch das märkische Land zog und die Kirchengemeinde Dellwig sich zur lutherischen Lehre bekannte. Darüber große Entrüstung von d[er] Kirche in Menden. Denn die Dellwiger war eine Tochterkirche der Mendener, mit anderen Worten, dieselbe untergeordnet. So ist dann mehrere Jahrehingestritten worden: die Dellwiger Kirchengemeinde blieb standhaft.- (das [A]usführliche findet sich im Kirchenarchiv) Da nun von d[er] Mendener Kirche weiter nichts zu erreichen war, behielten die die Zehnten und Gefälle für sich.- ( Die Zehnten bestanden aus Hartkorn, Roggen, Weizen, Fleisch, halbe Schweinsköpfe, Schinken, usw.) die sie Jahrhunderte hindurch, alljährlich bis in die neuere Zeit, anfangs des vorherigen Jahrhunderts, bezogen, und die Zehnten aus der ganzen Gemeinde an bestimmten Tagen zu d[er] Wirtschaft  Gosebruch, Strickherdicke gebracht werden mußte[n], von wo sie von Fuhrwerke[n] der Mendener Kirche abgeholt wurden. Die Fuhrleute, die Sachen brachten, bekamen bei Gosebruch ein Mittagessen.- Die Ablösungssumme hat auch an die Mendener geleistet werden müssen.

Chronik von Ardey
Aus Erzählungen, Überlieferungen, Geschichte, Urkunden, glaubwürdigen Tatsachen und Begebenheiten zusammengestellt.

Von Heinrich Werth, 1940

Ardey ist eine auf dem südlichen Abhang des Haarstranges oder wie es in der früheren Bezeichnung der Geographie Ardey-Gebirge hieß, auf einem Bergrücken gelegene uralte Siedlung. An der östlichen Seite wird sie begrenzt durch das Thal Osthölter Bach und an westlicher Seite von dem Sonnebachthal.
Was jetzt die schöne Dorfstraße ist, war in früheren Jahrhunderten eine durch die Siedlung von Süden nach Norden führende wilde Schlucht, die am oberen Ende sich nordwestlich hinzog und da eine Quelle, von der die Schlucht einen Wasserlauf hatte und unterhalb der Siedlung der Übergönner – oder Haingraben-Bach genannt wurde. Rechts von der Schlucht sind 6 Bauernhäuser errichtet, an der eine Straße von Norden nach Süden führte, die sich bis an, wo jetzt Ruckebiers Teich liegt, zu 3 Höfe sich abzweigt, hinzog. Die Straße wurde von [den] alte[n] Leute[n] die Oststraße genannt und [es] sind noch Spuren von derselben auf manchen Gehöften zu sehen. Da auch noch westlich von der Schlucht 2 Höfe lagen, hatten die von der Oststraße  über die Schlucht einen Zuweg.
Die Schlucht ist ausgebaut worden zur Dorfstraße, was gewiß in frühere[n] Jahrhunderte[n] schon geschehen ist, denn nach einer alten Hausinschrift ist schon 1737 ein Gebäude auf der alten Dorfstraße errichtet worden und ein anderes Wohnhaus 1743. So war auf dem heutigen Schulzen Hof das alte Viehhaus früher Wohnhaus, das im Jahre 1881 abgebrochen wurde, noch damals als ein über 200 Jahre altes Bauwerk geschätzt wurde, noch nach der alten Dorfstraße gebaut worden. Dasselbe stand von Norden nach Süden. Westlich von dem Straße Hause stand eine Scheune, östlich ein großer Stall, am südlichen Ende stand Schmiede und Backhaus. An der Giebelseite südlich lag der Hofbrunnen. Der Brunnen ist noch vorhanden und liegt jetzt unter [der]Haustreppe des neuen Wohnhauses. Der Brunnen ist noch ein altes Bauwerk und Markzeichen aus der sogenannten alten Zeit.
So sah Ardey im 15. Jahrhundert aus!
Wir fragen nun, wie ist das Dorf entstanden?Die Gründung ist wie bei allen Siedlungsgründungen unbekannt und könnte wohl bis in die vorchristliche Zeit zurückreichen. Man geht hier aber wohl nicht fehl in der Annahme, daß der derzeitige Burgherr von Ardey der Gründer ist. Denn, was man jetzt Gemarkung Ardey oder Ostardey nennt, war in damaliger Zeit Eigentum der Ardey Herren. Dieser hat seine ehemaligen Dienstmannen oder liebe Bekannte mit der Ansiedlung betraut und ihr nach Verdienst und Gunst einem mehr und dem anderen weniger in Ordnung der Grenzen die Höfe zugetheilt. Die Siedler waren dann verpflichtet Hand- und Spanndienst und jährlich eine Zehntenabgabe zu leisten an die Burg. Wer seiner Verpflichtung mehrere Male nicht nachkam, mußte den Hof räumen und ein anderen übergeben.
So wurden auch wohl die Zehnten verkauft, verschenkt oder auch, wenn adlige Töchter heirateten, die als Mitgift zugetheilt. -Wie sich später herausstellte, war ein Bauer Ruckebier nach Gut Dahlhausen  Hand- und Spanndienst und Zehntenpflichtig, ein anderer – Küpper- ebenso nach Haus Velmede bei Kamen.
Laut Geschichte gehörte Velmede in früheren Jahrhunderte dem Grafen von der Mark, der im 15. Jahrhundert das Gut für treu geleistete Dienste an Bodelschwingh verschenkt hat.
Der Edelherr von Ardey verschwindet 1318 aus der Geschichte. Die Abgaben an Zehnten, die bisher an die Herrschaft geleistet wurden, sind gewiß an das Hochadlig Damenstift verschenkt worden, was sich in die vor einigen Jahren veröffentlichten Wirtschaftsbücher und Listen der damaligen Zeit 1535 die Namen der Zehntpflichtigen und die Höhe der Abgaben nachweisen läßt. Laut einem Steuerbuch (Schatzbuik) der Grafschaft Mark aus dem Jahre 1486 waren in (Aedy) Ardey 1486 11 Einwohner, die Landessteuern bezahlten. Die hatten  folgende Namen:
Schult, Gerd. Renbom, Hannes Aresen, Loedwig Henrik Gildebier, Vräwellink (Vrauwellink kann auch Frau Wellink heißen), Gert Friedach, Hilbert Renbom, Hermann Renbom, Gert Doeckscherer, Sneipreide.
Welcher Hof den Namen hatte ist außer Schulte unbekannt.
1444-1449 war die Soester Fehde: ein Krieg der Grafschaft Mark mit Chur-Köln. In [der] Geschichte heißt es, die Chur-Kölner seien sengend und brennend in die märkischen Lande eingefallen. Die Bewohner von Ardey haben gewiß den Schrecken des Krieges der damaligen Zeit mit durchgemacht. In der Zeit kann auch wohl die Zerstörung der Burg Ardey liegen.
Die Namen von 1486 kommen außer Schulte in den obengenannten Wirtschaftsbüchern im Jahr 1535 nicht mehr vor, dafür aber schon Namen aus der neueren Zeit wie Schulte, Ölker, Schäfershof, Schäfers Stelle, Schröer usw. Ruckebier nach Dahlhausen und Kissing nach Velmede. Kissing hat 1786 seinen Hof abgelöst mit einer Abfindungssumme von 3000 Thaler.

In den Wirtschaftsbüchern war die Größe der Zehnte je nach Umfang der Hofwirtschaftung einem mehr und dem anderen weniger angeführt. Hand- und Spanndienste brauchte[n] wohl im Stift nicht ausgeführt zu werden, dafür aber gewiß die Kornzehnten höher berechnet. ( Die Zeht bedeutet der zehnte Teil, z.B. von 10 Zentner Korn mußte ein Zentner abgegeben werden. Wo Garbenzehnten die 10. stiege.) Bei Krankheiten wurden wohl auch die Zehnten erlassen oder ermäßigt.
Bei Unglücksfällen leistete das Stift Beistand. Wenn das Anwesen vom Vater auf den Sohn überging, mußte der Sohn ein Antrittsgeld zahlen, was man „Winnen“ nannte. Laut der Wirtschaftsbücher mußte alle 15 Jahre die Erbpacht erneuert werden durch Zahlung einer gewissen Summe Geldes. Der Bewohner des Hofes war verpflichtet, den Hof nicht zu vernachlässigen, die Gebäude in Stand zu halten. Wer seiner Pflicht nicht nachkam, wurde vom Hof geräumt und [der Hof] einem Fleißigeren übergeben. Unverheiratete Söhne und Töchter blieben auf dem Hof und halfen mit schaffen. So sind die Zeiten dahingegangen: auf der einen Seite Überfluß und Wohlleben, auf der anderen Seite Kampf ums Dasein darben.
Kleinere Häuser waren in frühere[n] Jahrhunderte[n] nicht. Die Bauern hatten manche ein Einwohnerhaus, auch wohl andere eine Wohnung am Backhaus eingerichtet. Die Häuser, die an der jetzigen Dorfstraße stehen, die „am Thy“ usw. sind um 1700 entstanden und sind gebaut worden auf  Gemeinde Abspline. Die Anbauer[n] mußten dafür alljährlich einen Zinsbetrag (Canon genannt) an die Gemeindekasse zahlen. Dies ist alles später abgelöst worden mit einer Ablösungssumme in der neueren Zeit. Die Bauern konnten keine Baustellen verkaufen, denn die waren im gesetzlichen Sinne nur Erbpächter.
So sind die Höfe wie um 1486 dieselben geblieben bis auf den heutigen Tag noch nachweisbar, aber nicht mehr in dem Umfang wie früher.  Die Namen haben gewechselt, was gewiß durch Einheirat oder Aussterben geschehen ist.
So ist die Zeit hingegangen, manchmal Krieg und große Schrecken. Die Zehnten aber, wurden jedes Jahr an bestimmten Tagen und in letzter Zeit nach die Wirtschaft Uhlenbrank im Stift Fröndenberg gebracht, wo sie denn unter Aufsicht einer Stiftsdame in Empfang genommen wurden. Die Fuhrleute, die die Sachen brachten, bekamen bei de[m] obigen Wirth ein Mittagessen.
Durch Reichsdeputationsbeschluß wurden 1883 die geistlichen Staaten, Klöster und Stifte aufgehoben. Im Fröndenberger Stift zog es sich noch hin bis [zum] Jahre 1811, wo es dann endgültig durchgeführt wurde. Die Damen, die zur Zeit im Stift waren, blieben wohnen bis zu ihrem Lebensende. Neue Damen durften nicht aufgenommen werden. So war 1817 eine adlige Stiftsdame noch Taufpathin bei einem Kinde eines Bewohners von Fröndenberg. Die Zehnten sind durch Zahlung einer Abfindungssumme aufgelöst worden.-

Ardey und Kirche

Um das Jahr 800 vorher und nachher wurde in hiesiger Gegend das Christentum eingeführt. Auf eine zusammengehörige Zahl von 4-500 Seelen wurde eine Kirchengemeinde gegründet. Damit man die ungefähre Seelenzahl erreichte, wurden mehrere Orte zusammen vereinigt, was man ein Kerspel nannte (Kers bedeutet soviel wie Christ). Auf diese Weise ist gewiss das Kerspel Dellwig, das aus sechs Dörfern besteht, zu [dem] auch Ardey zugetheilt worden ist, gegründet worden. Die Kirchengründungen geschah[en] meist von dem geistlichen Staat Chur Köln aus, der damals, wo wir jetzt wohnen, das Land zwischen Ruhr und Lippe im Besitz hatte. Um 1040 nahm ein Graf von Altena Besitz von dem Lande und nannte sich fortan Graf von der Mark, was von dem Staat Chur Köln heftig bestritten wurde und oftmals in spätere[r] Zeit zu Kriege[n] führte.
Die Kirche zu Dellwig muß mutmaßlich i[m] 8. oder 9. Jahrhundert wie sich später fand, von d[er] Mendener Kirche gegründet worden sein. Denn die Mendener gründeten keine Kirche in ein anderes Herrschaftsgebiet, daß mit dem geistlichen Staat Chur Köln des öfteren auf Kriegsfuß stand.
Die Kirche in Dellwig ist noch i[m] alten (romanischen) Baustil ausgeführt. Die Fröndenberger Kirche hingegen 1230 schon in neuere[r] (gothischer) Bauart errichtet. Ardey war der Kirche in Dellwig und Ost-Ardey kirchlich d[er] Fröndenberger Kirche zugetheilt. Auf diese Weise sind die Siedlungen Ardey und Ostardey, die früher gewiß zusammengehört haben, getrennt  worden.-
im Laufe der Zeit nicht mehr hören und drängte auf Räumung. Eine Baustelle für einen Schulneubau wäre wohl vorhanden gewesen, aber nicht zu haben.- Da hat man sich endlich entschlossen und ein Waldgrundstück, teils noch mit Bäumen bestanden, von Oelker in Ardey im sogenannten Ardeyer Berge, wo jetzt die Schule steht, angekauft. Die Bewohner von Langschede und Ardey bekamen eine Anzahl von Quadratmethen zum ausroden angewiesen, die die Arbeit unentgeltlich machen mußten.- Das Ausführliche findet man in d[er] Schulchronik.
Auch hatte die Gemeinde Ardey früher 2 Hudegerechtsame. Eine hatten sie als Privileg auf Neuhof Grundstück Ostardey, in eine[r] bestimmte Jahreszeit die Schweine zu hüten.
Dieses Recht ist schon vor 150 Jahren von dem derzeitigen Besitzer abgeschafft worden, und hat dann die Inhaber des Rechts durch Zutheilung einer Waldparzelle im Stromig entschädigt. 4 Landwirte sind noch heute im Besitz dieser Parzellen. Die anderen sind ausgetauscht oder zurückgekauft worden. Eine andere war eine Almende Weide unterhalb Ardey, jenseits der Ruhrgelegene[n] Weide, welche noch später der Ardeyer Kamp genannt wurde. Die Weide wurde im Sommer mit Kühen betrieben und hat man täglich die Milch geholt, ist [es] dann so eingerichtet worden, daß immer abwechselnd eine Mannsperson dabeigewesen ist, der den Kahn über die Ruhr gerudert hat.-
Auch das ist durch Zutheilung von Grundstücke[n] im oberen Bickenbrauck d[er] Rechtsinhaber entschädigt worden.-
Fischerei-Recht ist auch vorhanden gewesen, da die Ardeyer Grundstücke an die Ruhr grenzten. Der Landwirt A. Kissing in Ardey erzählte mir einst ein Erlebnis seine[r] Vorfahren aus der guten alten Zeit. Ein Sohn vom Kissinghof mit Namen Hermann hatte ein Liebesverhältnis mit d[er] Nachbarstochter, Lisbeth Langhof. Die Zeit der Hochzeit war schon festgesetzt. Nun fährt Hermann mit dem Knecht eines Tages Dünger nach dem Bäückenacker. Nach eine[r] Weile kommt der Junge zurück , weint und sagt: Soldaten haben unsern Hermann mitgenommen. Er hat sich  noch gewehrt und gesagt: ich wollte dann und dann Hochzeit machen. Da sei ihm erwidert worden: Dann laß du deine Braut nach Hamm kommen, da könnt ihr euch dann trauen lassen.- Und tatsächlich sei dann die Trauung in Hamm vollzogen worden, wohin man die Braut gebracht hat. Ob Hermann mit seiner Frau in Briefverkehr gewesen ist, ist nicht bekannt. So sind mehrere Jahre vergangen, aus dem Liebesverhältnis ist ein kräftiger Junge geworden. Der Junge steht eines Tages bei seine[r] Mutter in der Waschküche am Waschfaß, wo ihm die das Vaterunser vorsagt und lernt. Tritt ein bärtiger Mann ins Haus, sieht die Frau an und spricht: Lisbeth, kennst du mich nicht mehr? Die schreit auf: Hermann! Bist du es? Da ist dann die Freude groß gewesen.- Hermann ist verwundet gewesen und hat ein steifes Schultergelenk gehabt. Ein Bruder von Hermann, Heinrich Kissing, sei in der Schlacht bei Kameradschaft gefallen.-

Noch ein Stück aus der guten alten Zeit vo[m] Schulzenhof. Im Jahre 1786 wird ein Sohn Thomas Schulze auch von Werbern bei d[er] Feldarbeit ergriffen und von Hamm aus in 18 Marschtagen nach Potsdam geführt, wo er in ein Regiment eingestellt worden ist. Thomas hat immer regen Briefverkehr mit seinen Angehörigen gestanden.

Einen Porzellan-Pfeifenkopf, den Thomas als Schießprämie erhalten und manches andere hat er seinen Eltern zugeschickt. Der Pfeifenkopf ist jetzt noch im Besitz der Familie Schulze-Ardey. Thomas hat seine Zeit gedient und dann in Civilstellung das Amt eines Chausseegeld-Einnehmers erhalten.- Im Jahre 1832 erkundigte sich noch Thomas mit großem Interesse bei seine[n] Verwandten über dies und jenes und ihr Wohlergehen.-

Anfang der 30iger Jahre des vorigen Jahrhunderts ist auf Schulze Hof eine Kuh tollwütig geworden. Da kommt eines Tages ein klein[es] Hündchen auf den Hof. Einer von den Kindern nimmt den Hund und zeigt [ihn] seinem Vater mit den Worten: sieh mal Vater, hier hab ich einen schönen Hund! Der Vater von schlimme[r] Ahnung erfaßt, sagt aufgeregt: Junge, laß den Hund laufen! Der Junge setzt ihn ab und der Hund läuft aus dem Hause auf den Hof, wo gerade die Kühe ausgetrieben werden. Eine Kuh stößt nach dem Hund, dieser springt zu und beißt das Tier an [dem] Kopf. Es wird nicht weiter beachtet, bis nach mehreren Tagen die Kuh tollwütig wird. Unter große[r] Aufregung ist das Tier erschossen worden, hat aber weiter keinen Schaden angerichtet.
In des 40iger Jahren des vorigen Jahrhunderts ist von Schulzen beim Ausroden eines Waldstückes in der Nähe des Ziegenbrinck ein Urnengrab aufgedeckt worden. In einem Erdhügel hat man 2 Steinkrüge (15-20cm hoch) gefunden. Eine[r] ist beim Auffinden zerbrochen worden, d[er] andere ist lange Zeit bei Schulze im Verwahr gewesen und ist in letzter Zeit abhanden gekommen. Die Urne habe ich noch gekannt und kann sie zeichnerisch wiedergeben.
Einer von Schulzens Söhnen, Heinrich, der 1850 bei d[en] Benrather Husaren diente, ist bei einer Übung im Rhein verunglückt.
In d[er] Zeit des Mahlzwanges der guten alten Zeit erbauten sich Schulzen Ardey eine Getreidemühle am Ostholzbach im heutigen Mühlenkamp. Auch waren hier mehrere Privatmühlen wie Schulze Neuhof und Lange-Ostardey, ebenso die Stiftsmühle in Fröndenberg, die nur zur eigenen Benutzung da waren. Die durften nur eigenes Korn mahlen. Für Fremde war es bei Strafe verboten oder er mußte erst in d[er] Staatszwangmühle das Mahlkorrn mulften lassen. Als dann wurde ihm gestattet, sein Korn in eine[r] Privatmühle mahlen zu lassen, In d[er] Privatmühle galt als Mülfter (Mahllden) der 16.Teil vom Scheffel (81 Pfd.), also 5 Pfd.. Ob es in d[er] Staatszwangmühle auch so gewesen ist, ist unbekannt.
So eine Staatszwangmühle war in der guten alten Zeit in Langschede. Zu diese[r] Mühle waren sogar die Hellwegdörfer Hemerde, Stockum, Lünern usw. verpflichtet, ihr Korn mahlen zu lassen. Die Mühle am Ostholzbach ist, nachdem der Mahlzwang aufhörte, abgebrochen worden, da Schulze-Ardey die ehemalige Zwangmühle in Langschede käuflich erwarb und selbst dann den Mahlbetrieb weiterführte.-
In den 40iger Jahren des vorigen Jahrhunderts sind in d[er] Gemarkung Ardey 2 Kohlenschächte gewesen, der eine an dem Weg nach dem Tabrauk „Geitberg“ genannt, der andere an dem Weg nach Frömern, in der Nähe vom Spitt „Frohe Aussicht“ genannt. Die Kohlenförderung war Handbetrieb, das heißt die Kohlen wurden in große Kübel mit Drehwinden zutage gefördert. Da sich der Betrieb nicht lohnte, ist er mit der Zeit eingestellt und die Schächte zugedeckt worden. In Ostardey wurden durch einen Stollenschacht „zum wilden Mann“ genannt, Kohlen zutage gebracht. Auch das ist nur kurze Zeit gewesen. Der Eingang zu dem Stollen ist mit der Zeit zusammengebrochen. Nach Aufzeichnungen von alte[n] Landwirte[n] aus der damaligen Zeit ist 1740 ein Teuerungsjahr gewesen. Der Winter 1740 war strenge kalt, der Schnee soll von Februar bis Mai auf flachem Felde 2 Fuß hoch gelegen haben. Durch die lange Zeit des Schneeliegens war die Saat, welche bei der spätzeitigen Schneeschmelze noch frische Farbe gehabt, erstickt gewesen. Im September hatte wieder die Kälte angesetzt. Die Ernte ist wenig oder gar nichts gewesen. D[en] Landwirte ist damals das Korn auf Rationen gesetzt worden. Für ihren eigenen Bedarf ist von der Regierung abgemessen worden und das andere käuflich weggenommen und anderwo vertheilt worden. Das Vieh habe viel Mangel gehabt, wo der Sommer kalt. Das Futter ist dürftig gewesen. Und die Jahre vorher, alles in Hülle und Fülle.-
Das Jahr 1817 ist Teuerungsjahr gewesen, entstanden dadurch, daß man im Jahr vorher wegen anhaltende[r] nasse[r] Witterung keine Saat hat an die Erde bringen können. Ein Landwirt Schäfer hat ein Stück Roggen auf einen Sonntagvormittag gesät. Das wäre das einzigste Stück Roggen in Ardey gewesen. Im Gegensatz zur nassen Witterung ist um dieselben Zeitläufte auf einen trockenen Sommer ein trockener Winter gefolgt , so dass die Brunnen sind trocken geworden. Da hat man für das Vieh das Wasser vom Ostholzbach oder von der Ruhr holen müssen. Schnee und Eis sei geschmolzen worden. Das Wasser für den Küchengebrauch sei von den Ossenpoths Spring geholt worden. Das Jahr 1847 ist ein groß[es] Teuerungsjahr gewesen.
Da ist die Saat vom Rostpilz, ]Getreiderostpilz befallen gewesen. Infolgedessen sind in den Ähren keine Körner, sondern [sie sind] vollständig taub gewesen. Da hat das Scheffel Roggen 8 Thaler gekostet. Nach einer Statistik des Amtes Unna sind 1777 in Ardey keine Handwerker. In Langschede nach derselben Statistik:

  • Schmiede: Lange, Eberhard, Schmied
  • Schneider: Goert, Möller, Kramer
  • Schuhmacher: Albert Jost, Betschan, Trompeter
  • Zimmerleute: Wewervoß, Schmiedervoß, Middelmann, Kollmann

Zimmermann Wewervoß´ Tochter heiratete 1803 den Zimmermann Franz Caspar Werth.
Für Freiheit und Vaterland zogen 4 Ardeyer Söhne freiwillig 1813 in den Befreiungskrieg. E[s] waren Wilhelm Langhof, Heinrich Vieder, Wilhelm Schröer und Eberhard Wilhelm Schulze. Die ersten drei sind wieder glücklich heimgekehrt. Eberhard Schulze ist in der Schlacht bei Namer schwer verwundet worden und ist an deren Folgen einige Zeit nachher gestorben.
Franz Brauckmann kämpfte 1848 gegen den Hecker Aufstand Baden. Fritz Lange und H. Balbenhoff kämpften 1864 in Schleswig Holstein, wo Balbenhoff die Erststürmung der Düppeler Schanzen mitmachte.
Seit 1856 ist in Ardey eine Schenkwirtschaft (H.Menke). In d[en] Jahre[n] 1860 bis 69 wurde die Ruhrtalbahn Hagen-Kassel gebaut. Die berührt auch südlich die Gemarkung Ardey. 1870 zogen in das Feld gegen Frankreich aus Ardey:

  1. Stratmann, W. Werth, Th. Ruckebier, E. Lueg, F. Stratmann (Marine), Fr. Krümmer (Ladwehr), F. Stratmann (Landwehr) und beg. Langhoff (Ersatz).
    Alle sind heimgekehrt, nur W. Wrth nicht. Der focht und fiel am 6. Aug. 1890 in d[er] Schlacht bei Saarbrücken schwer verwundet, an deren Folgen er im November des selben Jahres gestorben ist.-
    Im Jahre 1868 ist ein Mädchen Lina Füllbeck aus dem Thabrauck, die bei dem Lehrer Kohllkage in Diensten stand, auf dem Wege nach Langschede von einem tollen Hund gebissen worden. Infolgedessen ist sie nach mehrere[n] Tagen von der Tollwuth befallen worden und daran gestorben.

Die Zeit vergeht und wir vergehen mit der Zeit!
Wo einst auf einem Hofe strebsame, wohlhabende, tüchtige Landwirte waren und Generationen hindurch die Söhne Potsdamer Gardisten oder andere Soldaten wurden, ist jetzt verstorben und von d[en] Erben verkauft worden. Das Wohnhaus ist jetzt ein Einwohnerhaus.- Ein anderer Hof hatte noch vor 70 Jahren nach alter deutscher Sitte „als Wächter an des Hofes Saum“ mächtige Eichen und Buchen stehen. Wieder [auf] ein[em] andere[n] Hof war das Wohnhaus, „was Du ererbt von deinen Vätern“ gegen Sturm und Wetter mit 2 Fuß dicke[n] Eichen und Buchen geschützt.- Neben einer Eiche stand auf einer Stelle ein Kirschbaum und neben einem Birnbaum eine Birke.-
So war zwischen 2 Höfen die Grenze, „ein Stolz der Vorväter“, eine Reihe Eichen. Eine Eiche war an jedem Hof zu finden.- So lebte man friedlich und bescheiden dahin. Die Eichen sind in neuere[r]  Zeit geschlagen, geschnitten und zum Bauen verwandt worden. Auf dem Wege von Ardey nach Frömern, wo sich der Weg auf eine[r] Kuppe mit einem anderen Weg kreuzt und „am Freistaul“ genannt wird, steht auf einer Ecke eine alte Linde, ein Zeuge aus vergangener Zeit. Nach [Erhzählungen] alter Leute ha[t] früher auf jedem Eck eine Linde gestanden. Der vom Freistaul südöstlich nach dem Ostholzthal führende Weg wird „in die Allee“ genannt und weiterführend erreicht man weiter die Burg Ardey. Ob der sogenannte Freistaul früher eine Gerichtsstätte des Ardeyer Gerichts gewesen ist?- Denn under Lindenbäumen wurden, „laut Geschichte“, öfters Vehmgerichte abgehalten. Ob die Linde auch unter Naturschutz steht, ist mir nicht bekannt, und [ob] der Name Freistaul, im Volksmund nicht enthalten, aus der damaligen Zeit stammt?.-

Das Haus, das von d[er] Gemeinde zu Schulzwecken angekauft wurde, war die Besitzung von Wevervoß Werth und lag am südlichen Ende der jetzigen Gartenstraße und Dorfstraße Ecke  und ist dann weiterverkauft, später abgebrannt, wo denn das grundstück später von Köster erworben wurde.

Kösters Brunnen ist noch von Wevervoß Werth Franz Kaspar. Werth hatte sich gleich nach dem Verkauf in Langschede in Ardey von Claas ein Gartengrundstück erworben (am Ossenpoth), wo er sich denn im Jahre 1830 ein Haus erbaute. Das war in Ardey das erste Haus mit einem Ziegeldach, denn ein Strohdach war bei einem Neubau polizeilicherseits nicht mehr gestattet.

Im Jahre 1828 wurde in Ardey das Katastergrundbuch eingeführt. Die Grundbesitzer mußten die Grenzen ihrer Grundstücke anerkennen, wo sie dann von einem Landmesser ausgemessen und die Grenzen durch Steine markiert und das vermessene Stück, die Größe mit Name und Flurnummer in eine Karte aufgezeichnet und am Gericht in Unna in Akten (Grundbuch) die Namen und Nummern eingetragen werden. Die Grenzmarkierungen waren in der früheren Zeit des öfteren Steine, auch Gräben und Erdwällchen, was sich noch hier und da in Holzungen vorfindet und manchmal zu heftigen Streitigkeiten geführt hat, die durch die allgemeine Vermessung später verhütet wurde[n].