Ardey Schule

Mit dem Schulwesen war es in der früheren Zeit schlecht bestellt, nicht allein hier, sondern überall. Schulen waren nur in Städte[n] einigermaßen vorhanden. Adlige oder sonstige reichbegüterte hatten für ihre Kinder einen Hauslehrer. Pfarramtskandidaten, die auf eine vakante Pfarrstelle warteten, beschäftigten sich auch oft als Hauslehrer. So war anfangs der 30iger Jahre des vorherigen Jahrhunderts ein früherer Pfarrer in Frömern als Kandidat Hauslehrer bei einer Familie in Langschede.- Zur Zeit Friedrichs des Großen wurde in Dellwig eine Kirchspielschule gebaut, die dann auch im Laufe der Zeit nicht mehr ausreichte. Es wurden nun in Billmerich und Langschede, wozu auch Ardey zugeteilt war, neue Schulen gegründet. Billmerich baute sich ein neues Schulgebäude. In Langschede wurde bei dem Wirt Middendorf ein Saal vorläufig als Unterrichtsraum benutzt, d[er] auch im Laufe der Zeit unhaltbar wurde. Unter Leitung des damaligen Amtmann Schulze-Dellwig kaufte man in Langschede ein Haus, um es als Schule einzurichten. Da aber der Bauplan der Regierung vorgelegt, wurde es als unzweckmäßig nicht genehmigt. So mußte man weiter bei dem alten Behelf bleiben. Ein anderer Bewohner in Langschede [hatte in] einem seiner Gebäude einen großen Raum, [diesen] benutzte man jetzt als Schulraum. Da derselbe für seine Kinder einen Hauslehrer hatte, wollte er das Lärmen der anderen Kinder………….

Lehrerausbildung
Die Lehrer der damaligen Zeit waren meist ausgediente Unteroffiziere
die sich beim Kommissdrill einige Kenntnisse angeeignet hatten, oder
sie waren Autodidakten, die sich selbst ohne Lehrer gebildet hatten
und deren Kenntnisse und Lehrgeschick demnach in keiner Weise
erprobt waren. Die Schüler sollten schreiben und lesen lernen, doch
blieb diese Forderung bei den meisten ein frommer Wunsch.
Auch das Rechnen reichte nicht über die vier Grundrechenarten und
ganze Zahlen hinaus. Die Geographie beschränkte sich auf den Kreis
Soest und die Geschichte drehte sich ums Kaiserhaus. Letztendlich
waren die Schüler froh wenn sie nicht mehr hin mussten, und die
Lehrer froh wenn sie wieder so eine Abteilung los wurden und sie
waren auch selbst an der Grenze ihres Wissens angelangt.

(Bimberg,1911).

Trotz verschiedener staatlicher und kirchlicher Reformen befand sich
das Elementarschulwesen in Preußen z.T. Noch um das Jahr 1800 in
einem beklagenswerten Zustand, denn die angestrebten Reformen
waren aus den unterschiedlichsten Gründen Reformversuche
geblieben. Insbesondere hatte man auch vielerorts noch nicht daran
gedacht, Lehrer systematisch auf ihren Beruf vorzubereiten; es
genügte, wenn der Lehrersohn bei seinem Vater das „Schulhandwerk„ erlernte.
Einen wirklichen Erfolg für Lehrerbildung und Elementarschule
brachte erst 1763 das „General-Landschul-Reglm„ Friederich des Großen. Hierin wurde in aller Deutlichkeit der Gedanke vertreten, eineVerbesserung der Schulen und damit der Volksbildung allgemein sei nur über eine qualifizierte Lehrerausbildung erreichbar. Das 1784 gegründete Lehrerseminar in Wesel und das daraus hervorgehende und im Oktober 1806 gegründete Lehrerseminar in Soest schufen endlich Abhilfe. Hier konnten die Elementarschullehrer intensiv auf ihren Beruf vorbereitet werden.
Der Endzweck dieser neuen mit dem Konubernium zu Wesel verbundenen Stiftung ist, hoffnungsvolle und unbescholtene Jünglinge, welche Neigung und Anlage zum Schulstand haben, teils theoretisch durch Unterricht, teils praktisch durch eigene unter dem Auge ihres Lehrers und Aufsehers angestellte Übungen zu guten Lehrern für die gemeinen Schulen bei den reformierten Gemeinden des Herzogtums Kleve und der Grafschaft Mark zu bilden.

(SA-WES, Caps. 20, Nr. 1).
Für die Aufenthaltsdauer im Seminar waren zwei Jahre vorgesehen. Aber es kam häufig vor, dass sich Seminaristen bereits nach einem halben Jahr zur Prüfung meldeten, da ihnen der Termin der Abgangsprüfung nicht vorgeschrieben war; wer sich befähigt fühlte, meldete sich zur Prüfung.